Reisen in der Retrospektive – Brasilien 2010

Reisen in der Retrospektive – Brasilien 2010

Die Iguazú-Wasserfälle sind immer ein Titelbild wert

Der große Stillstand

Bei genauerer Überlegung stehen ja nun nicht alle Räder still. Die systemrelevanten Elemente unserer Gesellschaften müssen ja – ob nun Gefahr für deren Leib und Leben besteht oder nicht – weiter funktionieren. Sind die, die sich dem Schutz unseres Planeten verschrieben haben denn nun zufrieden mit der Situation? Einige wird es wohl geben. Wenn es so weiterginge in Deutschland, so wie in den letzten Wochen, dann würden wir die gesetzten Klimaziele ja leicht erreichen können! So ganz einfach, ohne impulsives Aufbegehren gegen drohende Veränderungen. Fragwürdigen Zusammenschlüssen wie „Fridays for Hubraum“ wird unweigerlich der Nährboden für ihre vom ungebremsten Männerkult getriebene Gegenwehr entzogen. Doch ich empfehle, auch in dieser Diskussion ein freundliches Auge auf diese Gruppe zu haben. Je nach Herkunft identifiziert sich wohl fast jeder Mann einmal mit seinem Auto oder seinem Motorrad und gibt bei Nachfrage dann sogar zu verstehen, dass er sich selbst über dieses Statussymbol definiert.

Ankunft in Rio de Janeiro

Also eine Frage der Definition? Verständlich, dass die Personenkreise, die nie in den Sog dieser Entwicklung geraten sind, sich über ihre Autos zu definieren, mit Unverständnis solchen Forderungen gegenüberstehen. Hässliche Konflikte sind dann vorprogrammiert. Wir sind alle nur die Produkte unserer Möglichkeiten. Die Möglichkeiten, die uns unsere Gesellschaften angeboten haben. Jede/r sucht sich seinen Platz, richtet sich darin ein und – abhängig von der Charakter-Disposition, die nur unterschiedliche Interpretationen zulässt – beharrt dann mit Nachdruck darauf, dass es gefälligst so weiterzugehen habe wie bisher. Egal mit wem ich in den letzten Wochen gesprochen habe: ich versuchte immer, schnell „auf den Punkt“ zu kommen und konnte aus dem Verlauf der Gespräche dann erkennen, dass im Prinzip alle erwarten, dass die Einschränkungen der momentanen Situation auch mal zu Ende gehen und dass dann das Leben in der bekannten und erprobten Weise weitergehen wird.

Wird es das? Kann es das?

Die Treppe Escadaria Selaron im Stadtteil Lapa

Ein älteres Ehepaar, welches ich wegen seiner Offenheit den neuen Dingen auf Reisen gegenüber sehr zu schätzen gelernt habe, wies mich mit meinem Vorschlag, dass die Reichen in der Krise einfach den einen oder anderen Armen direkt unterstützen sollten, brüsk zurück! Mehr als brüsk. Das Ehepaar hat keine Kinder, im Prinzip auch keine Erben, ist im Prinzip weltgewandt und offen, überlegt sich sogar schon jetzt, zu welchem guten Zweck sie ihr Vermögen nach ihrer Zeit einmal spenden werden. Aber das alles spielt keine Rolle wenn es darum geht, im Umweg über vorhandene monetäre Spielräume die Chance, auch nach der Krise auf hohem Niveau weitermachen zu können, in Gefahr geraten zu lassen. Die Menschen haben schlicht Standesdünkel. Und wenn man vor der eigenen Haustür zu kehren beginnt? Bin ich selbst-zerstörerisch und ein Nestbeschmutzer wenn ich behaupte, dass der Tourismus in seiner Gesamtheit einen nicht zu unterschätzenden Anteil an der Belastungen hat, die unser aller Leben schlicht durch den Verlauf, den die Gesellschaften genommen haben? Also versuche ich vorbildlich zu sein und die nötigen Veränderungen auf mich wirken zu lassen um dann Schlüsse daraus zu ziehen, wie weiter verfahren werden kann, wenn diese Krise einmal vorüber sein sollte.

Die presbyterianische Rio Cathedral

Reisen ist natürlich nicht gleich Reisen! Nach einer Studie der Umweltstiftung WWF verursacht ein deutscher Urlauber mit einer zweiwöchigen Flugreise nach Mallorca fünf Mal so viel klimaschädliches Kohlendioxid wie mit einem Aufenthalt an der Ostsee. Er könnte dafür ein Jahr lang Auto fahren. Und ich habe einige Bekannte, die bis zu fünf Mal pro Jahr für ein oder zwei Wochen nach Mallorca fliegen. Zum Glück wird das Reiseverhalten der Deutschen nicht im Vergleich zu anderen Ländern herangezogen. Wir wären definitiv kein Vorbild für andere Länder! Würden alle Menschen wie die Deutschen reisen, würden sich die weltweiten Reiseemissionen vervierfachen. Das ist ein Schreckens-Szenario! Doch können wir die, die kaum wissen was sie da tun, denn dafür verachten dass sie die Möglichkeiten des billigen und schnellen Verreisens einfach nutzen? Wir können und dürfen es in den meisten Fällen nicht. Auch diese Menschen haben schlicht ihr ihre Plätze (in dem Fall Reiseplätze) in der Gesellschaft eingenommen, die die Gesellschaft ihnen anbietet. So viel Reisen, für so wenig Geld. Aufklärung wäre vonnöten. Aufklärung und Geduld, denn es ist nicht anzunehmen, dass die übergroße Zahl an Menschen, die auf die „billig will ich“ Optionen zurückgreift und die Angebote annimmt, schnell einsichtig wird.

Vollmond, aufgenommen aus dem Zimmer des Hotels an der Copacabana

Und wie sieht es in „meiner“ Abteilung aus? Anspruchsvolle Rund-, Studien- und Erlebnisreisen mit Niveau anzubieten? Nicht viel besser! In den letzten Jahren haben die wirtschaftsstarken Discounter wie ALDI und LIDL den Reisemarkt derart an sich gerissen, dass man schon von einer Reise-Revolution sprechen kann. Die Discounter scheinen die neuen Reisemittler zu sein! Anfangs haben diese über enorme finanzielle Mittel verfügenden Konzerne den Badereisen-Sektor erobert und sind dann dazu übergegangen, auch nach und nach in „meine“ Reise-Bereiche vorzudringen. Discounter wie ALDI und LIDL sind in der jetzigen Krise Profiteure und werden – durch die Krise gestärkt – danach in der Lage sein, ihr Hegemonialstreben mit noch größerer Energie voran zu treiben. Dann wird nicht nur ein kleines Stück „Reise-Reflexion“ zusammen mit den vielen kleinen oder mittleren Reise-Unternehmen sterben, sondern es wird einen fast schon apokalyptischen Untergang der gesamten Rest-Reiseindustrie geben. Es mangelt an Verbraucherbewusstsein, so das sich die Massen auch weiterhin im Kampf gegen die Konkurrenz vor einen Karren spannen lassen, der lediglich zum Ziel hat, unliebsame Konkurrenz aus dem Weg zu räumen.

Ein Strand an der Copacabana

Hat es denn dann überhaupt Sinn, über ein Weitermachen nachzudenken? Mal ganz ehrlich? Ich befürchte, dass sich der Grad des Willens zum bewussten Denken – und resultierend daraus zum bewussten Handeln – nicht so schnell optimieren wird wie es nötig wäre, um in „meinem“ Bereich für eine Verbesserung der Gesamtsituation zu sorgen. Im Gegenteil: ich befürchte, dass es schlechter werden wird. Auch das, was ich hier tue, mich hinzusetzen und eine unbekannte Zahl von Menschen mit Texten und Bildern zu Reiseerlebnissen zu versorgen, widerspricht der allgemeinen Auffassung der Märkte. Es herrscht Krieg – auch in der Reisebranche. Jeder sollte in diesen Krieg ziehen und der Idealist, der sich Gedanken um die Menschen macht, der sich hinsetzt und Geschichten für sie schreibt, hat seinen Untergang doch längst selbst besiegelt! Er sitzt und sinniert und denkt anstatt in den Krieg zu ziehen, seine Netzwerke zu knüpfen und sich um die Ausweitung seiner Geschäftsbeziehungen zu kümmern, seinen Marktwert und seinen Einfluss zu steigern. Die Gesellschaft bietet uns unsere Plätze an. Es führt wohl kein Weg an der Erkenntnis vorbei, dass die Gesellschaften an sich komplett verändert werden müssen? Aber wie soll das gehen, wenn durch alle Schichten hindurch der schädliche Geist des Festhaltens an der individuellen Macht, dem eigenen Vermögen, der eigenen Vorlieben und dem erreichten Grad der Stellung innerhalb der Gesellschaften weht? Es ist eine Mammutaufgabe, auch wenn uns ein kleines Virus zur Zeit die Zügel straff angezogen hat. Im Prinzip warten fast alle nur darauf, das der alte Zustand wieder eintritt und weitergemacht werden kann wie bisher.

Gedrängel auf dem Corcovado-Hügel mit Blick auf den Zuckerhut

Müssen wir denn wirklich jedes Jahr eine Reise machen? Ich kehre zurück, zum eigenen Anliegen. Da unsere Firma immer klein war, hatten wir nie wirklich die Verpflichtung zu Wachstum oder Größe. Es konnte immer alles sehr individuell, kreativ und gemeinsam mit den Kunden unmittelbar – oft in direkter Kommunikation – aufgezogen werden. Wir haben auch früher maximal eine große Weltreise pro Jahr angeboten. Diese musste dann aber auch „sitzen“ und die Erwartungen und Bedürfnisse der Kunden möglichst mehr als nur zufrieden stellen. Da wir auf der 2007er Reise nach Argentinien (siehe letzten Blog) so viel Staunen erlebten, grub sich das Interesse nach mehr „Süd-Amerika“ in die Köpfe aller Beteiligten ein. Sollte es vielleicht so sein, dass alle Länder Süd-Amerikas solche Wunder zu bieten haben? Schon 2007 wurde deshalb irgendwie abgesprochen, dass wir in näherer Zukunft eine intensive Reise nach Brasilien ins Programm nehmen sollten. Doch es dauerte eine Weile, bis wir dieses Vorhaben umsetzten. 2008 stand erst einmal eine Reise nach Neuseeland auf dem Programm und 2009 reisten wir in kleiner Gruppe in den Westen der USA. Erst 2010 war es dann soweit, dass wir wieder südamerikanischen Boden betraten und eine spannende Reise durch alle Regionen Brasiliens realisierten.

Einer der vielen Stadtteile der 6,7 Millionen Einwohner Stadt

Brasilien? Was wusste der Unbedarfte Mensch denn schon von diesem Land? Dass die gut Fußball spielen konnten war auch denen bekannt, die sich nicht im geringsten für diese Sportart interessierten. Die Eitelkeit soll laut der Bibel ja eine der sieben Todsünden sein? Den Einwohnern Rio de Janeiros war das aber angeblich immer schon egal. Sie zeigten bei jeder Gelegenheit, was sie zu bieten hatten: pralle Bizeps, üppige Brüste oder einen runden Po. War es nicht Leon Machère, der den Song von der Copacabana in die Köpfe vieler Menschen auf der Welt pflanzte? Vielleicht noch, dass man dort portugiesisch und nicht spanisch sprach?

Ich wusste zumindest, dass Brasilien noch einmal erheblich größer war (und ist) als Argentinien. Bei über 8,15 Millionen Quadratkilometern Landesfläche war mir schon klar, dass Brasilien nur etwa 2 Millionen Quadratkilometer kleiner ist als unser gesamtes Europa! Und zwar unser geographisches Europa bis hinter Moskau zum Beginn des Ural. Und das als Land! Resultierend aus den „Argentinien-Erfahrungen“ wusste ich sofort, dass auch bei dieser Tour einige Inlandsflüge anfallen würden. Anfang 2009 begann ich mit der Planung. Es wurde am Ende wieder eine kleine Gruppe, lediglich 12 Teilnehmer/-innen + meiner Wenigkeit stark. Aber kleine Gruppen sind ja für den Erlebniswert der Gruppe selbst immer von Vorteil. Lediglich für den Unternehmer ist es manchmal etwas bitter, wenn gesetzte finanzielle Ziele nicht erreicht werden.

Auf der Fahrt nach Fahrt nach Itacurussa waren auch wir interessant!

Da es ja in der Gruppe mehrheitlich „neue“ Südamerika Reisende gab, wurden natürlich die Iguazú-Wasserfälle nochmals in den Reiseverlauf aufgenommen. Trotz aller Mühen um Individualität war mir schon immer klar, dass man gewisse „must have seen“ Ziele nicht einfach unter den Teppich kehren darf. Wie hätte ich meinen Teilnehmern/-innen erklären sollen, dass wir auf Iguazú verzichten? So gab es also die Notwendigkeit, einen 3 ½ stündigen Flug von Rio nach Iguazú zu buchen. Schaut euch an dieser Stelle doch einmal eine Landkarte von Brasilien an! Wie klein wirkt die Distanz von Rio nach Iguazú im Vergleich zur Größe des restlichen Landes.

Von Iguazú aus mussten wir ein wenig im Zick-Zack fliegen um unser nächstes Ziel, die Regionen Pantanal zu erreichen. Erst ging es mal 1 ½ Stunden nach Sao Paulo und von dort nochmal 2 ½ Stunden nach Cuiabá, dem Tor zum größten Feuchtgebiet der Welt. Von Cuiabá aus wurde ein weiterer Flug nach Brasilia nötig und von dort ging es dann in einem 3stündigen Flug tief in die Regionen des Amazonas nach Manaus. Nach ereignisreichen Tagen im brasilianischen Urwald mussten wir – ein weiterer Inlandsflug – nach Salvador de Bahia fliegen um das Restprogramm zu absolvieren. Am Ende ging es nochmals 2 ½ Stunden per Inlandsflug nach Sao Paulo um dort den internationalen Flug nach Frankfurt zu erwischen. Nun, uns fehlte damals einfach das Bewusstsein dafür, dass diese vielen, vielen Inlandsflüge auch eine Belastung der Umwelt darstellten! Ich neige deshalb dazu, nicht allzu hart zu denen zu sein, denen genau dieses Bewusstsein heute (noch) fehlt. In der Summe sind wir 2010 ebenfalls sieben Mal auf einem Inlandsflug unterwegs gewesen.

Eine der vielen Favelas von Rio de Janeiro

Hier wird sich in der Zukunft die Gretchenfrage stellen: wenn ich als Reisende/-r keine so extrem schädliche Klimabilanz verursachen will, indem ich mich sieben Mal in ein Flugzeug setze, nur um die besonderen Ecken dieses sehr großen Landes erreichen zu können, welche Alternativen hätte ich dann? Meiner Meinung nach keine! Wer nicht 6 oder 7 Monate Zeit mit nach Brasilien bringt, kann eine solche Reise schlicht nicht machen. Wer es trotzdem probieren möchte und mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu reisen versucht, braucht neben Zeit auch Mut, eine gehörige Portion Optimismus und die Bereitschaft, auf (fast) jeden Komfort zu verzichten, wenn er (oder sie) sich individuell durchs Land bewegt. Somit sind solche Reisen, wie ich sie im Folgenden beschreibe, im Prinzip der Vergangenheit angehörig wenn es uns nicht gelingt, alternative Antriebssysteme zu entwickeln. Es ist nicht leicht, in der neuen Entwicklung seinen Weg zu finden.

Nochmal die Iguazú-Wasserfälle

Migration und Wanderungsbewegungen (ja, das könnten wir auch „Reisen“ nennen!) sind doch keine Phänomene der Neuzeit! Sie sind ein Ur-Instikt oder Ur-Trieb wie die Sexualität oder der Stoffwechsel. Seit der Mensch den aufrechten Gang beherrscht, treibt es ihn um die ganze Welt. Ich persönlich habe für meine Erkenntnis, dass der Mensch mit seinen Migrationsbewegungen, Einwanderungen, genetischen Veränderungen und Verschiebungen einfach einen Teil der Menschheitsgeschichte darstellt, auch einen Teil des Sinns des Reisens gefunden. Wir alle haben im Prinzip ein genetisches „Reiseprogramm“ in uns, dem jedes Individuum unterschiedlich stark gerecht werden muss. Die moderne Forschung in den letzten Jahren hat dies ja bewiesen und in den öffentlichen Raum gestellt. Wir waren alle einmal Nomaden, auch wenn wir hierbei die biblische Schöpfungsgeschichte außer Acht lassen müssen. Wie also geben wir den Menschen in Zukunft die Möglichkeit, einen Ur-Instinkt zu leben und damit womöglich glücklicher, selbst-zufriedener und umgänglicher zu werden?

Ein Tukan im Geäst eines Baumes bei den Wasserfällen

Die modernen „Massenbewegungen“ fußen ja letztlich auch auf diesem Ur-Instinkt, auch wenn die vom schnellen „billig-willich“ Wahn Verführten, Lichtjahre davon entfernt sind zu verstehen, um was es im Grundprinzip eigentlich geht. Wie sollen sie es auch verstehen? Die Gesellschaften boten ihnen den Platz, es zu verstehen, bisher ja nicht an! Also doch weiter fünfmal im Jahr für 300.- € nach „Malle“, weil es so schön billig ist? Also zumindest wieder sofort nach Corona?

Ich will mich lieber daran erinnern, wie unsere Reise quer durch Brasilien abgelaufen ist. Wir waren ja sehr gespannt und in der Altersstruktur auch eine bunt-gemischte Truppe. Zwischen 30 und 75 Jahren waren alle Altersgruppen vertreten. Ich vergaß zu erwähnen, dass die Anreise nach Rio de Janeiro noch etwas länger dauerte als die Anreise nach Buenos Aires. Wir mussten nämlich nicht nur in Madrid umsteigen, sondern nach 11 ½ Stunden Flug auch noch einmal in Sao Paulo, welches das große Drehkreuz im internationalen Flugverkehr Brasiliens ist. Erst von dort aus sind wir mit einem Inlandsflug nach Rio de Janeiro weitergeflogen. Das waren dann nochmal 60 Minuten Flugzeit. Und schon an diesem ersten Abend, während uns der gemietete Bus zu unserem Hotel „Mirasol“, ziemlich direkt an den Stränden der Copacabana brachte, wurde mir die enorme Flächenausdehnung der Metropole bewusst. Allein im Stadtgebiet Rios leben ja schon etwa 6,7 Millionen Menschen und die Metropolregion hat rund 13,3 Millionen Einwohner! Mama mia, damit hatte ich so nicht gerechnet.

Mein persönlicher Nahkampf-Nasenbär

Trotz der gefühlten Distanzen zu einem im Prinzip nicht wirklich vorhandenen Stadtzentrum war ich an diesem Abend bereit, meinen Dienst als Reisephotograph und Journalist zu machen und zu Fuß oder mit Taxi, bewaffnet mit Stativ und Kamera irgendwie zurück in die beleuchteten Innenstadtviertel zu kommen. Unser Reiseleiter warnte mich eindringlich und gab zu Bedenken, dass die Kriminalität in Rio extrem hoch sei und das durchaus Grund zu der Annahme bestehen würde, dass ich das Hotel nicht mehr lebend erreichen würde. Das war eine bittere Pille gleich zu Beginn der Tour. Aber ich fügte mich. Nicht wegen eventueller Ängste! Ich hätte in meinen Reise-Jobs niemals so viel intensiv sehen oder erleben oder erfahren können, wenn ich ängstlich gewesen wäre. Nein, die Verantwortung für die mir nun anvertraute Gruppe und die Tatsache, dass es schon spät war und das Ziel recht weit entfernt, verhinderten an diesem Abend dass ich mich aufmachte um zu sehen, wer sich denn mit mir in eine Konfliktsituation begeben wolle. Das fand ich in früheren (fitteren) Zeiten immer interessant. Ich war schon immer groß an Wuchs, hatte breite Schultern und wirkte athletisch (früher war ich das tatsächlich einmal). Nicht selten verschaffte ich mir Respekt allein durch meine Erscheinung. Eine gewisse natürliche Souveränität. Aber ich war immer froh, dass es nie zu handfesten Auseinandersetzungen zwischen Böses im Sinn Habenden (z.B. Dieben) und mir kam, weil ich immer die Befürchtung in mir trug, dass meine Qualitäten als Einzelkämpfer deutlich hinter der Erscheinung zurück geblieben wären. Ein kleiner Exkurs, war aber mal nötig. Vielleicht schreibe ich hier an meinem Vermächtnis? Dann wäre es an der Zeit die Leute mal tiefer hinter die Kulissen blicken zu lassen.

Alligatoren am Iguazú Fluß

Also Rio de Janeiro blieb im Vergleich zu Buenos Aires etwas blass. Daran konnte auch die große Stadtrundfahrt mit einheimischer Reiseleitung am nächsten Tag nicht viel ändern. Es war eigentlich alles eher durchschnittlich. Als etwas Besonders empfand ich noch unseren Smalltalk mit dem chilenischen Künstler Jorge Selarón. Wir saßen alle nebeneinander auf der von ihm geschaffenen Treppe „Escadaría Selarón“ im Stadtteil Lapa und redeten über allerlei Unsinn dieser Welt. Drei Jahre später hat man den armen Kerl umgebracht. Die Kriminalität Rios war eben immer besonders schlimm. Innerstädtisch wäre noch der Besuch der 30 Meter hohen, vom Tijuca-Nationalpark umgebenen Christus Statue zu erwähnen. Auch weil man von dort so schön auf den Zuckerhut schauen kann. Aber diese Massen!! Das war klassischer „Overtourism“ und seine Folgen konnte man in dem teils wütenden Geschiebe und Gedrängel auch an Ort und Stelle spüren. Ich war im Prinzip froh, heil mit allen Mitgliedern meiner Reisegruppe wieder aus Rio hinaus zu kommen.

Bootsfahrt zu den Wasserfällen

Wir hatten insgesamt drei Nächte in Rio gebucht und damit auch noch die Zeit, einen ganztägigen Ausflug zu der tropischen Inselwelt vor der Küste der Stadt zu machen. Ja, wenn man bereit ist, ein bisschen tiefer in die Tasche zu greifen, kann man auch mit 13 Personen eine Fahrt auf einem 2-Mast Schoner mit brasilianischem Mittagessen machen. Wir haben trotz der 13,3 Millionen Einwohner der Metropol-Region eine einsame Bucht gefunden, die in den nächsten drei Stunden nur uns gehörte. Schnorcheln und Sonnenbaden zum Abschluss von Rio.

Doch die Erwartungen waren noch immer hoch! Gut, ein faires Fazit: Rio war „okay“, wie das die jungen Leute heute gerne sagen wenn etwas weder Fisch noch Fleisch war. Aber als nächstes Ziel hatten wir uns ja die Wasserfälle von Iguazú vorgenommen und da wussten zumindest schon drei aus unserer Gemeinschaft, was es dort alles zu bestaunen gab. Wir haben das erfolgreiche Modell von 2007 wiederholt, sind zwei Nächte geblieben und haben an jeweils einem Tag die brasilianische und die argentinische Seite besucht. Wir hatten an beiden Tagen auch eine deutschsprachige Natur-Führerin gebucht. Ich finde es schlimm, dass ich ihren Namen vergessen habe! Die laut Reisebeschreibung deutschsprachige Natur-Führerin sprach auch deutsch, aber einen Masuren-Dialekt, den in diesem Landesteil des heutigen Polen nur noch ganz wenige deutsche Familien pflegen, die nach dem Krieg in Polen geblieben sind. Da ich ein Faible für Dialekte habe, konnte ich kaum abwarten, bis sie anhob zu sprechen und der ostpreußische Charme (Marjellchen!!) zu rollen begann.

Überall in Brasilien gibt es exotische Vögel

Und ja, natürlich war es wieder sehr voll an den Fällen von Iguazú. Das Wetter war gut und ich habe an diesem Tag doch einen Nahkampf gewagt! Nicht mit einem anderen Touristen oder einem diebischen Einheimischen! Nein, mit einem rotzfrechen und sehr aggressiven Nasenbären! Man nennt die Kerle auch Rüsselbären und sie sind in Mittel- und Südamerika ziemlich verbreitet. Wie es dazu kam? Ich wurde Zeuge einer Unerhörtheit. Einer dieser Nasenbären schleimte sich vor meinen Augen an eine auf der Bank sitzende ältere Dame (dem Slang nach Amerikanerin) heran. Er schaute dabei so derart lieb und drollig und machte solch eindrucksvolle Gesten der Unterwerfung, dass alle umstehenden Personen ihn sicher sogleich allerliebst in die Arme genommen hätten, wenn die zufällig anwesende Rangerin (ja, so etwas hätte ich an den Stränden der Copacabana erwartet) nicht mit scharfer Stimme und erhobenem Zeigefinger ausgerufen hätte, dass bitte keiner das Tier füttert und alle auf ihre Taschen achten sollen.

Ankunft im späten Licht im Gebiet Pantanal

Wie bitte? Alle sahen zu dem drolligen Tier hin, das Tier wiederum blickte – nun gar nicht mehr lieb und drollig und vollkommen ohne eindrucksvolle Gesten der Unterwerfung – die Rangerin an. Ich meinte im Blick des Tieres Wut oder Verachtung zu erkennen? Im nächsten Moment gab der „drollige Putzimutzi“ ganz andere Geräusche von sich (so in etwa wie in einem Horrorfilm), stürzte sich kopfüber in die geöffnete Tasche genau der älteren Dame, an die er sich gerade heran geschleimt hatte (worauf die Dame entsetzt aufsprang und entwich), eroberte auf diesem Wege eine Rolle Kekse und gab danach deutlich zu verstehen, dass keiner es wagen solle, seine frisch gemachte Beute zu beanspruchen. Der adretten Rangerin, die wenigstens den Versuch unternahm, dem Täuscher die Beute wieder abzunehmen, stellte sich der Wicht zum Zweikampf entgegen. Hilflos blickte mich die Dame aus ihren außerordentlich schönen und irgendwie „typischen“ Latino-Augen an und gab zu verstehen, dass sie sich von dem Kerl deswegen nicht beißen lassen würde, für eine Rolle Kekse.

Hier wurden wir morgens nicht durch das Gekrähe von Hähnen geweckt!

Wir sind ja nun alle auch Sklaven unserer Gene? Bei so viel Täuschung regte sich Unmut in mir. Hatte ich nicht immer darauf verwiesen, dass nur der Mensch lügt, betrügt, hintergeht und falsches Zeugnis ablegt? Dieser verflixte Rüsselbär griff mein Weltbild an. Ich überprüfte meine zur Verfügung stehenden Kampfmittel. Die bloßen Hände kamen nicht in Frage! Der verachtenswerte Rüsselbär war von Kopf bis Schwanzende mindestens 1,3 Meter lang. Sein Kampf-Gewicht mochte gute 6 Kilogramm betragen. Zudem verfügte er über extrem scharfe Krallen, die seinen Opponenten gefährlich hätten verletzen können. Ich mochte nämlich meine Halsschlagader. Aber ich musste etwas tun, hier galt es, erzieherisch tätig zu werden, auch damit ich selbst in der Zukunft meine Weltsicht ohne kritische Eigenreflexion weiter verbreiten konnte. Der Rüsselbär grollte in lauten Tönen, alle um ihn herum waren gewichen. Aber nicht ich! Was dem Bärchen nicht entging.

Ein Ara bei der Morgentoilette in der Lodge Pousada do Rio Mutum

Ich war mit der Prüfung der mir zur Verfügung stehenden Kampfmittel durch: ich hatte ein langes Bein (zur Not sogar zwei davon) mit einem gut beschuhten großen Fuß (Wanderstiefel Größe 46), die ich aber nur im Extremfall einzusetzen gedachte. Aber: ich hatte meine Canon-Kamera mit dem 70-200mm Teleobjektiv bei mir. Ganz vorne dran noch eine Gegenlichtblende, so dass ich über eine „Waffe“ von etwa 50 Zentimeter Länge verfügte. Ich wagte den Angriff. Hat schon mal jemand Forschungen darüber angestellt, ob Rüsselbären vielleicht Gedanken lesen können? Oder lag es daran, dass ich als einziger von Vielen nicht fünf Meter von dem grollenden Ungetüm abgewichen war? Der Bär war, hastig wie ein Ladendieb, noch immer damit beschäftigt, mit seinen scharfen Krallen die Verpackung der Kekse zu zerreißen, um danach den Inhalt gierig zu verschlingen. Ich hätte ihm persönlich mehr Kompetenz zugetraut, dem mein Weltbild zerstörenden Rüssler. Aber vielleicht war er einfach ungeschickt, oder ein Neuling, oder schlicht zu doof dafür?

Zwei volle Tage gab es Exkursionen mit Booten und Jeeps in die Natur

Mit einem doofen Rüsselbären sollte ich es aufnehmen können. Es galt ja auch, die Verpackung der Kekse zu sichern. Mochte der schmeichlerische Dieb den Inhalt doch fressen und sich daran verschlucken und elend zugrunde gehen, aber der Verpackungsmüll durfte sich nicht ungehindert im Nationalpark verbreiten. Zumindest so weit war ich in meiner Denkfähigkeit schon vor 10 Jahren. Die Frage, ob Rüsselbären vielleicht wirklich Gedanken lesen können, stellte ich mir erst wieder nach der nun folgenden, heftigen Auseinandersetzung. Es ging dabei gefühlt um Leben und Tod. Ich machte den ersten Zug, indem ich einen winzig kleinen Schritt auf meinen Gegner zuging und meine Kamera samt dem daran hängenden Nahkampfobjektiv anhob. Sofort unterband der Rüsselbär seine hektische „ich muss doch diese verdammte Verpackung aufkriegen“ Aktivität und riss sein fürchterliches Maul in meine Richtung auf, grollte noch bedrohlicher wirkende Töne in die Welt, ließ dabei aber seine mit Krallen bewehrte linke Tatze nicht von seiner Beute. Ich witterte meine Chance, er witterte wohl was ganz anderes.

Eine der vielen Eisvogelarten des Pantanal

Es geht doch bei der „echten“ Ritterlichkeit nicht nur darum, Frauen zu respektieren und zu beeindrucken, oder? Die richtige Ritterlichkeit gibt dem Mann die Chance, ein wahrer Held zu werden. Ritterlichkeit bedeutet, dass man Eigenschaften wie Mut, Ehre, Reife und Loyalität gegenüber anderen an den Tag legen sollte – nicht nur dem anderen Geschlecht gegenüber, zur Not auch dem eigenen. Es soll aber nicht verschwiegen werden, dass der erneute Blick, den mir die namenlose Rangerin noch zuwarf, zwar auch eine gewisse Sorge enthielt, dass ich so dämlich sein könnte wie der Rüsselbär und am Ende den nun unausweichlich gewordenen Zweikampf verlieren und sie sich danach um einen Haufen Papierkram würde kümmern müssen enthielt, es lag aber auch etwas anderes darin: Dankbarkeit! Jemand kümmerte sich um Dinge, um die sich einfach jemand kümmern musste. Ich wollte es einfach so sehen, bevor ich mich endgültig in mein allererstes Kräftemessen mit einem Nasenbären warf.

Ein Schlangenhalsvogel beim Sonnenbad

Der erste Punkt ging an mich, denn nachdem ich dem Bären etwas fester als nötig die Spitze meines Objektives (geschützt durch eine Sonnenblende) in die Flanke gestemmt hatte, wich dieser kurz zurück, stellte überrascht von meinem Mut kurz das Grollen ein, hob nun auch seine linke Tatze (ich dachte er gäbe schon seine Beute preis) und stellte sich, gestützt auf seinen kräftigen langen Schwanz auf die Hinterbeine und …..

………griff mich frontal an. Das Raunen und Schreien um uns herum, welches sofort mit der Attacke des Bären einsetzte, glich sicher dem auf einem ritterlichen Turnierplatz im mittelalterlichen Europa. Der Schwertkampf hatte begonnen und ich gebe zu, dass ich – überrascht von der Frechheit eines Gegners der meine haushohe Überlegenheit einfach sofort hätte bemerken müssen – anfangs zwei oder drei Schritte zurück wich. Den Bären hatte ich prinzipiell im Griff, machte mir aber trotzdem Sorgen um meine teure 70-200mm Linse. Kam der Krallenwicht nicht am Ende doch bei seinen stumpfen und sinnlosen Attacken bis zu meiner Optik durch? Diese kurze Nachdenklichkeit war es, die mich zurückweichen ließ, aber immer darauf bedacht, den tobenden Nasenbären mit der Optik der Kamera auf Distanz zu halten. Die Umstehenden wichen zurück und bewunderten mal den Bären und mal mich. Aber der nun durch und durch auf Krawall getrimmte Rüsselbär, dem es gelungen war mich gute drei Meter in Richtung der Absperrung zu den Wasserfällen zurück zu drängen, war sich seines Sieges wohl so sicher, dass er seine Beute vergaß.

Achten Sie auf die Details

Die Rangerin, die Rüsselbären wohl doch besser kannte als ich, schnappte sich dessen Beute: aber nur kurz. Nachdem Rüsselbärchen dieses „wutsch“ vernommen hatte (obwohl er den Eindruck vermittelte sich gerade im rasenden Nahkampf zu befinden), ein „wutsch“ das nur bedeuten konnte dass ihm jemand seine Beute von der Bank gestohlen hatte, ließ er sofort von mir ab, drehte sich um und warf sich entschlossen und voller Wut in Richtung der Rangerin. Diese – und Frauen können so vernünftig sein – ließ die erbeutete Beute daraufhin fallen. Sie wollte nach wie vor von dem schmeichelnden Berserker im Ausnahmezustand nicht gebissen werden und warf die Kekspackung über eine Absperrung in die Büsche. Nun? Doof mag er gewesen sein, mein Nahkampfbär, auch ungeschickt im öffnen einer Packung mit Keksen, aber im überwinden von Hindernissen war er großartig, geschickt, elegant und schnell. Wie sehr muss er sich gewundert haben, das sein Gegner (ich), den er gerade fast über die Kante der Klippe geworfen hatte, noch schneller war als er?

Ornithologen würden wohl einen Schnappatmungsanfall bekommen?

Als Rüsselbär zu den Keksen kam, stand mein 46er Wanderstiefel der deutschen Qualitätsmarke „Meindl“ schon auf der Packung und der Rüsselbär war wieder damit konfrontiert, dass ihm eine 70-200mm Canon Optik zur Abschreckung ins Gesicht gehalten wurde. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wurde mir klar, dass so ein südamerikanischer Rüsselbär keine Ahnung von dem Wert solcher Geräte hat oder sich prinzipiell nichts aus Photographie macht. Hätte er mich überwältigt, mir das Objektiv geraubt und bei eBay verhökert, dann hätte er sich von den Erlösen einen ganzen Lastwagen voller Kekse kaufen können. Aber nein, er stürzte sich mit wildem Geheule auf mein Objektiv und verbiss sich in der Gegenlichtblende. Das war zu viel! Tierliebe hin und Tierliebe her. Der gut geschützte 46er Wanderschuh kam nun zum Einsatz. Von Massenträgheit oder Fliehkräften, geschweige denn von Beschleunigung hatte das ungebildete Wildtier wohl noch nie etwas gehört? Er glotzte jedenfalls kurz recht ungläubig, nachdem er nach geschätzten zwei Metern Flugkurve den Urwaldboden wieder erreichte!

Kaimane kamen so dicht ans Boot, dass wir sie berühren konnten.

War das jetzt mein Sieg? Wer Rüsselbären kennt weiß, dass sie nicht so leicht zum Aufgeben zu bewegen sind. Getrieben von überschäumender Wut ging er nach kurzem Bedenken wieder zum Angriff über. Sein ganzes Sinnen und Denken war nun davon getrieben, seine Beute, die wieder unter meinem Schuh verborgen lag, zu erreichen. Seitlich, mit krummem Buckel, grauslige Töne von sich gebend, sich nicht von heftigen Stößen meines Objektivs in seine linke Flanke irritieren lassend, erreichte er sein Ziel. Seine Stimme war nun mehr die eines großen Bären und die Kratzbewegungen seiner fürchterlichen Krallen ergossen sich im Stakkato über meinen Schuh und die mit dem verbündete Gegenlichtblende. Er schaffte es mit letzter Kraft, die Umverpackung zu zerreißen, die Kekse flogen in ungeordneter Formation durch das Unterholz. Er schnappte sich einen davon und verschwand. Den Rest (und den gesamten Verpackungsmüll) sammelte ich zusammen mit der mir mittlerweile in großer Sorge zu Hilfe geeilten Rangerin ein. Ein Keks für den Dieb, 19 für mich? Damit konnte ich leben. Die 46er Wanderschuhe gibt es längst nicht mehr. Aber die zerkratzte Gegenlichtblende bewahre ich bis zum heutigen Tage auf, um sie jedem zu zeigen, der sie sehen möchte. Es war ein Kampf auf Leben und Tod und ich war als Sieger aus dem Zwist hervorgegangen. Was man so alles an der Kante der Wasserfälle von Iguazú erleben kann! Es war ein schöner und nicht zu verachtend erfolgreicher Tag, dieser Tag.

Und auch Reiher kommen im Panatanal zuhauf vor

Es war an der Zeit, die Region zu verlassen. Nach dem lauwarmen Auftakt mit Rio de Janeiro und dem Wiedersehen mit den Fällen von Iguazú war es wohl an der Zeit, einem echten Höhepunkt entgegen zu streben? Im Zick-Zack-Kurs flogen wir von Iguazú via Sao Paulo nach Cuiabá, dem Ausgangspunkt für Exkursionen in die Feuchtgebiete des Pantanal. Motiviert durch die beeindruckenden Erlebnisse der Lodge in den Ibera Sümpfen in Argentinien drei Jahre zuvor, hatten wir uns auch im Pantanal für eine entlegene Lodge (die Mutum Lodge) entschieden. Etwa 130 Kilometer entfernt von Cuiabá liegend, mussten wir eine dreistündige Fahrt dorthin akzeptieren. Allerdings waren 80 Kilometer der Wegstrecke auf schlechten Lehmstraßen zu überwinden. Nun, wer das Besondere will, muss auch etwas leiden können!

Ein unbekanntes Flughuhn!

Wir haben uns damals in der Vorplanung dazu entschieden, mindestens drei Nächte im Pantanal zu verbringen. Es hätten besser fünf Nächte werden sollen. Aber hinterher ist der Mensch bekanntlich immer schlauer? Viele behaupten, dass der Höhepunkt einer Reise in den Südwesten Brasiliens der Besuch des Pantanal sei. Nur im Südwesten Brasiliens? Da ich ein naturverbundener Mensch bin meine ich anfügen zu müssen: Der Höhepunkt einer Reise nach Brasilien. Diese riesige Sumpflandschaft, die eine der letzten naturbelassenen Überschwemmungsgebiete der Erde ist und sich im Grenzgebiet von Mato Grosso und Mato Grosso do Sul, östlich des Rio Paraguai, ausbreitet, hat unser aller Erwartungen weit, weit übertroffen und auch die Erlebnisse in den Ibera-Sümpfen noch in den Schatten gestellt. Das Pantanal ist eine unfassbar weite, begrünte Landschaft und besitzt einen kaum zu überblickenden Reichtum an Pflanzen und Tieren. Wir haben Raubkatzen, Riesenschlangen, Gürteltiere und wieder allerlei Tausend Vögel beobachten können.

Echsen bis zu einem Meter Länge waren ebenfalls zu bestaunen

Es ist immer wieder erfreulich zu sehen, dass Menschen, die zuhause in Deutschland niemals bereit wären, unter einer gewissen „Komfort-Zone“ zu leben, diese Grenzen aufgeben, wenn sie in einer solchen Welt unterwegs sein dürfen. Die Mutum Lodge verfügt nur über bescheidenen Komfort, liegt aber so derart inmitten der Natur und so weit weg vom Rest der Welt, dass sich automatisch ein Gefühl der „Erhabenheit“ gepaart mit Dankbarkeit, das alles sehen zu dürfen, einstellt. Jeden Morgen waren alle viel früher als eigentlich nötig auf den Beinen, liefen über das Gelände und staunten über die großen Aras, die wie selbstverständlich in den Bäumen gegenüber Platz nahmen um sich ihrer Federpflege hinzugeben. Wenn das Reisen doch bloß kostenlos werden könnte! Ich habe immer versucht mir eine Welt vorzustellen, in der es zumindest so viel Gerechtigkeit gibt, dass sich alle, aber auch alle die Welt ansehen können. Reisen lässt offene Menschen erst sprachlos und dann zu Geschichtenerzählern werden. Ein bisschen Zitat? Alexander von Humboldt? Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung derer, die die Welt nie angeschaut haben. Leider ist nicht sicher belegt, ob Humboldt dieses Zitat wirklich verwendet hat. Aber ich kann versichern, dass der Kern stimmt. Leider können sich viele Menschen das Reisen im Heute nicht leisten, oder sie Reisen falsch. Billig, willich, schnell, ordinär, elitär…. alles falsch!

Auch dem König des Wassers kann einmal ein Unfall passieren

Besondere Erlebnisse gab es etliche, sie alle zu beschreiben würde den Rahmen der Möglichkeiten sprengen. Vielleicht wird diese Art, Reisen zu beschreiben, wieder aufleben zu lassen und schriftlich einem imaginären Publikum zukommen zu lassen, die Zukunft des Reisens sein? Dann würde ich meinen Weg in der „Welt nach Corona“ bereits gefunden haben. Es ist durchaus schön, einmal Zeit zu haben! Wenn nur die wachsende Bedrohung der Existenzen nicht wäre! Aber bewahren wir Ruhe! Unsere „Führer“ werden schon ALLES richtig machen, nicht wahr? Was gab es denn Besonderes im Pantanal?

Wasserschweine (Capybaras) wie Sand am Meer

An einem der Abende regnete es stark, ein richtiger Tropenregen würde ich meinen. Ein Tropenregen ist anders. Er ist weich und warm, und fällt in so dicken Tropfen, dass er einem durch den Regenponcho hindurch den Nacken massieren kann. Mitunter ist er so dicht, dass man glaubt, in ihm ertrinken zu können. Es gibt allerdings nur wenige Dinge auf der Welt, die mich mehr beruhigen als ein trommelnder Regen auf dem Dach der Terrasse, zumindest dann, wenn man ihn unter einem schützenden Dach erlebt. In der Dunkelheit fiel mir ein mächtiger Schatten auf. Es konnte keine Raubkatze sein, viel zu groß und viel zu massig. Damit schied auch ein weiterer, auf Krawall gebürsteter Nasenbär aus. Nilpferd? Wir waren ja nicht am Nil, sondern im Pantanal. Was also, war das? „Es“ kam näher, wohl angelockt durch das Petroleumlicht, welches ich mir angezündet hatte, da die Lodge nach 22.00 Uhr keinen Strom mehr zur Verfügung stellte. Das riesige Ding schien irgend etwas auf dem Boden zu suchen und gab seltsame Geräusche von sich.

Tapirdame “Maja” von der Pousada do Rio Mutum Lodge

Es setzte danach aber kontinuierlich seinen Weg in meine Richtung fort. Etwas mulmig wurde mir schon dabei, so ganz allein, ohne Kamera & Schutz-Objektiv und meine 46er Wanderstiefel waren auch außer Reichweite. Als der grunzende Koloss endlich meine Veranda erreicht hatte, erkannte ich, um „was“ es sich handelte: Es war ein Brasilianischer Tapir und damit ein Verwandter des Nashorns! Er sah aus wie ein Wildschwein mit Ameisenbär-Schnauze, wobei ich seine Länge auf über zwei Meter und sein Gewicht auf Minimum 250 Kilo schätzte. Er stapfte umständlich die beiden Stufen zu mir auf die Veranda hinauf. Den tosenden Regen schien er nicht zu spüren. Schnell realisierte ich, was „es“ suchte: etwas Besonders zum Fressen. Glücklicherweise verspeisen Tapire keine Menschen, was ich wusste und worüber ich in diesem Moment auch sehr glücklich war. Dieser Bursche hatte offensichtlich keine Lust mehr, die jeden Tag von den riesigen Mango-Bäumen herabfallenden Früchte vom Boden zu fressen. Ihm war wohl nach einem Keks!?! Nachdem er eine Weile die Oberfläche des kleinen Tisches auf meiner Veranda mit seinen Rüsselnase abgeschnüffelt hatte, verzog er sich wieder grunzend und schwerfällig um die Ecke.

Wer kennt die Namen? Nennt die Zahlen? Ein Vogelparadies

Eine besondere Begegnung? Nun manchmal wirkt der Zauber nicht lange nach! Am nächsten Morgen, als ich unserem Wirt von der unheimlichen Begegnung erzählte, erklärte dieser uns, dass das Maja gewesen sein müsse. Sie wäre ein Weibchen (deshalb so groß) und hätte ihre Freiheit in den Sümpfen aufgegeben, weil sie auf dem Gelände der Lodge eine bessere Versorgungssicherheit gefunden hätte. Aha? Und damit nicht genug, zwei unserer an der Reise teilnehmenden jüngeren Damen hatten noch eine ganz andere Geschichte hinzu zu fügen: die beiden waren nach dem Verlassen des Restaurants in völliger Dunkelheit ohne Taschenlampe (und auch ohne Smartphone) zu ihrer Hütte zurück gegangen, als die eine von ihnen in der Dunkelheit gegen etwas Großes, Weiches prallte. Das große und weiche Ding kümmerte sich aber keinen Deut um die gegen es geprallte junge Dame. Es fraß einfach weiter die massenhaft auf dem Boden liegenden Mangofrüchte auf. Es muss sich also definitiv um „Maja“ gehandelt haben! Frauen sind wohl doch immer irgendwie mutiger als Männer? Die junge Frau stieß jedenfalls keinen Hilfe- oder Entsetzensschrei aus. Sie lächelte und ließ es geschehen. Bewundernswert!

Wasserschwein kurz vor dem abtauchen

Von den heruntergefallenen Mangos erzähl ich übrigens noch heute. Es lagen wirklich jeden Morgen Hunderte Kilo davon auf dem Boden. Und jeden Morgen kamen zwei Hilfsarbeiter, sammelten diese wundervollen Mangos in einer Schubkarre ein, fuhren diese übervolle Schubkarre zu einem kleinen Lieferwagen und beförderten die Mangos dort hinein. Es sind sicher jeden Tag an die 500 Kilogramm Mangos weggeworfen worden! Warum bloß? Und bei uns kosten diese Früchte einen Haufen Geld. Es war logisch, die Früchte vom Gelände zu schaffen und außerhalb in einem dafür ausgehobenen Graben zu entsorgen, da diese Früchte, so sie einmal verfaulen, eine besonders aggressive Wespe auf das Gelände der Lodge locken würden. Diese – nach Auskunft unserer Wirtsleute – würde man danach nicht mehr los und die Lodge müsste schließen. Also verständlich! Und trotzdem wache ich noch heute manchmal mitten in der Nacht auf, weil ich träumte, das Tausend Schubkarren, gefüllt mit reifen und köstlichen Mangos an mir vorbei zum entsorgen gefahren werden, ohne dass ich auch nur eine einzige davon essen konnte. Das Leben kann ein Trauerspiel sein! Schubkarren voll davon. Immer und immer wieder.

Ein Insektenfresser im Sonntagskleid

Wir wären alle gerne noch länger geblieben im Panatanal! Hätten gerne noch viele Ausflüge mit Booten und Jeeps zu den Tieren gemacht. Aber der Gruppenreisende muss seinem Fahrplan folgen und so verabschiedeten wir uns schweren Herzens von dieser Wunderwelt, von Maja dem Tapir, den vielen Schubkarren, unseren Wirtsleuten und machten uns auf die beschwerliche Lehmpisten-Rückreise nach Cuiabá, wo wir am dortigen Flughafen einen weiteren Inlandsflug nach Brasilia antraten. Wenn wir schon den weiten Weg nach Brasilien geflogen waren, dann wollten wir uns die Chance nicht entgehen lassen, die künstlich angelegte Hauptstadt des Landes zu sehen. Nur so viel: Ursprünglich war Salvador da Bahia die Hauptstadt von Brasilien – seit der Stadtgründung im Jahr 1549 und für mehr als 200 Jahre. 1763 wurde Rio de Janeiro die Hauptstadt und behielt diesen Status fast 200 Jahre lang. 1891 wurde der Beschluss, eine neue Hauptstadt für Brasilien zu bauen, in der Verfassung verankert und am 7. September 1922 fand die Grundsteinlegung für Brasília statt.

Kathedrale von Brasilia bei Nacht

Wenn man aus dem Pantanal nach Brasília kommt, will man eigentlich nur schnell wieder dorthin zurück. Der Höflichkeit halber (es ist ja die Hauptstadt) bleibt man halt und schaut sich was an. Nix Besonders, höchstens das Gefühl, hier gewesen und seine Pflicht getan zu haben. Vielleicht die Wache vor dem Nationalkongress? Die sahen auch so aus, als hätten sie gerade in eine Zitrone gebissen wie die Kerle in den Mützen am Hofe der englischen Königin. Staatstragend halt! Wir haben dort einen ganzen Tag und eine Nacht verbracht. Wir hatten im Hotel schöne Zimmer mit Blick auf die Kathedrale von Brasília. Da entstanden die schönen Nachtphotos mal vom Balkon aus. Hat auch gut funktioniert (siehe Bilder) und ich musste mich mal nicht in Lebensgefahr begeben, weil ich in der Nacht um die Ecken schleiche nur um gute Photos zu machen. Aber wir durften ja bald dem letzten geplanten Höhepunkt entgegen eilen: dem echten Amazonas!

Erster Sonnenaufgang im Amazonas Gebiet

Zu diesem Behufe flogen wir von Brasília nach Manaus. Wir ahnten schon, welche Wetterbedingungen uns dort erwarten würden! Manaus liegt nicht nur mitten im tiefsten Amazonasgebiet, sondern auch noch ziemlich dicht am Äquator! Gefühlte 250% Luftfeuchtigkeit umschlang unser aller Lungen als wir den gut klimagekühlten Flughafen verließen! Welch eine Veränderung! Die Stadt liegt genau an der Mündung des Rio Negro in den Amazonas. Warum baut denn jemand mitten in den Urwald eine Stadt, die sogar ein Opernhaus hat? Der Kautschukboom hat es bewirkt! Die Region war lange Zeit der einzige Lieferant von Kautschuk in der ganzen Welt. Da ging natürlich einiges und die Investoren haben sich, obwohl sie mit dem Klima des Regenwaldes überfordert waren, hier angesiedelt um ihren neuen Reichtum zu schützen. Der Ort hat aber auch wirklich etliche historische Bauwerke und ist ein perfekter Ausgangspunkt für Ausflüge in den sehr artenreichen, die Stadt umgebenden Urwald. Aber Ausflüge in den sehr artenreichen, die Stadt umgebenden Urwald machen nur Weicheier! Wir wollten viel mehr und haben für unsere kleine Gruppe ein „Banana-Boat“ gemietet. Mit ganz kleinen Kabinen „ohne“ Klima-Komfort. Wir wollten den Amazonas möglichst intensiv erleben und haben deshalb jeden Anspruch auf Komfort aufgegeben um wirklich intensiv reisen zu können.

Unser Bananendampfer: die alte Amazon Clipper

Über die vielen intensiven Momente kann ich nicht schreiben. Es waren Hunderte! Aber einen Vorfall werde ich nie vergessen! Entscheidungen sind oft mit dem Mut zum Risiko verbunden. Ich gehöre nun aber definitiv nicht zu denen, die Risiken und Unsicherheiten am liebsten ganz aus ihren Entscheidungen verbannen würden, auch weil ich weiß, dass das nicht möglich ist. Eine unserer Teilnehmerinnen erschien mir für „diese“ Reise nur bedingt geeignet. Sie war im Alltag eine recht „feine“ Dame und hatte bei vorvergangenen Reisen schon das eine oder andere Mal meine volle Aufmerksamkeit eingefordert, da sie zum Beispiel im Norden Schottlands nur wenig Verständnis dafür zeigte, das es dort keine komfortablen 4**** Sterne Hotels gab. Auch den Einwand, dass es wirtschaftlich unmöglich sei, in dieser dünn besiedelten und nur über drei Monate des Jahres besuchten Ecke des Landes, in dem es schlicht an Geld fehlt, ein Hotel überhaupt in der Substanz zu erhalten, erschien ihr als Erklärung zu dünn. Und nun hatte sie sich nicht davon abbringen lassen, diese Reise anzutreten. Ich fragte mich oft, ob das gutgehen könne!

Ein Amzonas Delphin zeigt seine Rückflosse

Nach der ersten Nacht auf dem Dampfer mitten auf dem Amazonas, als wir am Abend zuvor noch eine Bootstour zu den Tieren unternommen hatten, nachdem wir an Deck unseres Bananen-Dampfers noch lange in der schwülen Nacht gesessen und dem Gekreische und Gejohle aus dem nahen Urwald gelauscht hatten, trat sie am nächsten Morgen vor die Tür ihrer bescheidenen Kajüte. Sie, die immer Schminke trug, hatte offensichtlich am Abend zuvor vergessen, diese zu entfernen? Denn unter ihren mit Tränen gefüllten Augen lief nun ein deutlich erkennbarer schwarzer Streifen die Wangen hinab. Zudem war sie, die sonst immer darauf geachtet hatte, schicke Kleidung mit den dafür notwendigen Accessoires zu tragen, im Schlafrock vor die Türe getreten. Ich machte mir ernsthaft Sorgen um sie. Nachdem sie so eine Weile dort gestanden und das Licht der morgendlichen Sonne hatte auf sich wirken lasse sprach sie: „Das hier ist der absolute Wahnsinn! Das ist doch Leben pur! Ich bin so glücklich, dass ich hierher mitgekommen bin“.

Anlegeplatz am dorf der Einheimischen am Ende der Tage auf dem Amazonas

Bemerkenswert, bis zum heutigen Tage habe ich diese Situation nicht vergessen. Ich vergesse überhaupt nur wenige Situationen.

Der Rest der Reise war dann schnell vorüber. Nach einem Besuch in einem Dorf der Einheimischen sahen wir noch den Zusammenfluss vom „schwarzen“ Rio Negro und dem braunen Amazonas. Zwei gigantische Flüsse, die sich vereinen und eine Kilometer lange Trennlinie erzeugen, die einem die Gänsehaut auf den Rücken treibt. Vom Boot aus konnten wir eine halbe Stunde lang im Sonnenuntergang die rosafarbenen Amazonas-Flussdelphine beobachten und einer Hyazinth-Ara Familie beim gesellschaftlichen Zusammensein zuschauen. Diese Aras sind rund einen Meter groß und können bis zu 1,7 Kilogramm schwer werden. Der hohe Wert als Ziervogel hat den Bestand des Hyazinth-Ara erheblich dezimiert, sodass er heute zu den bedrohten Vögeln gehört. Und hier flatterten sie vor unserer Nase umher.

Hyazinth-Ara Pärchen vom Fluß aus beobachtet

Nachdem wir unser Banana-Boat wieder verlassen mussten, flogen wir noch nach Salvador de Bahia, um uns näher mit der afro-brasilianischen Kultur Brasiliens zu beschäftigen. Aber diese letzten Tage waren, obwohl sie viel Neues brachten, nur ein Nachklang einer großartigen Zeit im Pantanal und im Amazonas Dschungel. Ich werde jetzt mal zum Ende kommen. Ich bin mir nicht sicher, ob so viel Text und Bilder von meiner imaginär bleibenden Leserschaft überhaupt bewältigt werden können? Viel Freude bei der Lektüre. Es wird schon wieder – aber nie mehr so wie vor Corona. Stellt euch/stellen Sie sich drauf ein und beginnt wieder mit dem Lesen. Hier kostet das Ganze ja nicht einmal etwas.

RR

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