Das Wesen der Zeit

Das Wesen der Zeit

Überall um mich herum gibt es Leute, die keine Zeit haben. Und kritisch betrachtet, bin ich selbst so einer! Also in der Mitte angekommen? Dabei hat jeder Tag gleichermaßen 24 Stunden. Mein Problem ist, dass ich mit diesen Stunden nicht auskomme – die Gründe kenne ich genau, auch wenn ich sie nicht immer plausibel erklären kann. Es ist das permanente Neuronen-Gewitter in meinem Kopf und ich definiere es nicht einmal als grundsätzliches Problem, dass die dem Menschen insgesamt zur Verfügung stehende Zeit individuell ist. Alle Leben sind unterschiedlich lang und niemand weiß, wie lang sein eigenes sein wird. Ich habe in den letzten Wochen hoch beschäftigt unter extremem Mangel an Zeit gelitten. So sehr ich es mir auch vorgenommen hatte: es war schier unmöglich, mich einmal hinzusetzen und (nur als Beispiel) meine sozialen Kontakte zu pflegen oder meine Arbeit an dieser Website fortzusetzen, indem ich mal wieder einen Artikel schreibe und meine Mitwelt in mein Leben einbeziehe.

Das Schatzhaus der Athener in Delphi

So unsinnig dass auch manchmal scheinen mag, weil ich doch durch gute Beobachtung genau weiß, dass die meisten durch ihre Leben getrieben, kaum die „ZEIT“ finden werden, einen längeren Artikel zu lesen und gegebenenfalls sogar darauf zu reflektieren. Der Umgang mit der mangelnden Zeit war schon in der Antike aktuell! Da ich gerade von einer längeren Reise aus Griechenland zurück gekommen bin, wo ich die Verbindung zur Antike zumindest ansatzweise wieder einmal spüren konnte, wollte ich nun in der Gegenwart einen neuen, philosophisch angehauchten Artikel darüber schreiben um einige Interessenten/-innen an meinen Erlebnissen teilhaben zu lassen. Doch halt: da war ja auch noch eine ausgedehnte Spanienreise dazwischen? Die Knappe Zeit, die im besten Fall dazu führt, dass man künstlerisch und ökonomisch die Möglichkeiten eines befristeten Lebens optimal dazu verwendet um zumindest die Dinge zu tun, die man gerne tun möchte, greifen bei mir nicht! Wie geschrieben: zu viel Neuronen-Gewitter in meinem Kopf. Ich will da jetzt nicht mein Alter ins Spiel bringen, aber in der Regel ist den jungen Leuten die vergehende und immer knapper werdende Zeit kaum bewusst. Aber je nach Individuum stellt sich nach dem 30ten oder spätestens 40ten Lebensjahr mehr oder weniger, der Gedanke daran ein.

Wer im Hotel Elea Beach auf Korfu sein Zimmer zum Meer hat, kann davon ausgehen, dass es jeden Morgen solch ein Farbspektakel gibt.

Zeit ist ein wertvolles Lebensgut. Unendlich schade ist es, dass sich die Menschheit schon beim Anbeginn der Kulturen mehr und mehr darauf verständigt hat, in der Lebenszeit ein eindeutig noch höheres Gut als das Wichtigste zu definieren und mehr und mehr als das Wertvollste von allen sehen: das liebe GELD. Viele Menschen verschleudern dieses so durchaus wichtige Gut für nichtige Dinge. Auch so kann man Immer-beschäftigt sein und dabei nicht spüren, wie einem die Lebenszeit durch die Finger rinnt. So wird das Leben tatsächlich zu kurz! Und zwar, weil viele Menschen es selber so kurz machen.

Eine Bootstour zum “blauen Auge” ist ein unbedingtes Muss auf Korfu

Ich könnte es noch deutlicher philosophisch ausdrücken und das Denken und Fühlen bei manchen Lesern/-innen über die eigene Zeit damit vielleicht in neue Bahnen lenken? Nur wenn die Zeit des Daseins auf ein unentrinnbares Ende, den Tod, zuläuft, ist sie von Grund auf knapp. Alle kleinen und kleinsten knappen Dinge, die uns im Alltag mit ihren zu beachtenden Fristen beengen und bedrängen, sind von dieser äußersten und existenziellen Knappheit der dem Ende entgegeneilenden Zeit abgeleitet. Also? Kann man den Zeitbegriff umdefinieren? Wenn ich hier so sitze, denke und schreibe, gelingt mir das. Aber ich muss mich nur umdrehen und den Berg der „noch zu erledigenden Dinge“ anschauen und ein Knappheitsgefühl beschleicht mich.

Einfach mal so in die Gasse photographiert in der Altstadt von Adij Deka

Und da das Wesen der Zeit noch immer unverstanden ist (und wohl auch noch sehr lange bleibt) findet es fast jeder einleuchtend, dass die Menschen sich mit ihrem Schaffen beeilen, damit sie der Tod nicht ereilt, ehe sie etwas Ordentliches auf die Reihe gebracht haben. Andererseits scheint doch manches dafür zu sprechen, einen Sinn für Langsamkeit zu entwickeln. Denn wie soll sich alltägliches Rennen und Hasten zeitlich auszahlen, wenn doch sicher ist, dass der Tod immer noch schneller zur Stelle ist als fast alle gewünschten und geplanten Veränderungen? Erst mit der Entschleunigung – ein schöner, neuer Begriff, den das Rechtsschreibprogramm auf dem Computer noch immer als Fehler einstuft (kleiner Exkurs trotz Zeitmangel) – gewinnen Menschen Augenmaß für Veränderungen, die zugleich wünschenswert und erreichbar sind.

Die Klöster der Region Meteora sind nur ein kleiner Teil der überwältigenden Schönheit der Region.

Das “Wesen der Zeit” bleibt weiterhin unverstanden, auch wenn die Relativitätstheorie Albert Einsteins wichtige neue Erkenntnisse gebracht hat. Aber nicht jeder versteht Einstein! Wie denn auch, bei dem allgemeinen Zeitmangel und Druck, durch das eigene Leben im Sauseschritt zu eilen! Ein Paradoxon an sich würde ich meinen. Nach Einstein gibt es nur die Eigenzeiten der physikalischen Bezugssysteme. Für sie ist wegen der Endlichkeit jeder Signalübertragung keine absolute Gleichzeitigkeit bestimmbar. Im hoch entwickelten alten Griechenland, in der Antike, wusste man, dass Zeit und Ewigkeit grundsätzlich verschieden sind. Dass Ewigkeit also nicht eine unendlich lange Zeit ist. Sie bedeutet im Prinzip, dass es kein Werden, kein Vergehen, kein Sein gibt.

Spektakulärer Sonnenuntergang von der Terasse des Hotel Anemolia Mountain Resort bei Delphi

Hochkomplex das Ganze, aber sehr, sehr inspirierend. Ist es denn sinnvoll, zu fragen, was vor dem Urknall gewesen ist? Zeit! Ich habe das Gefühl, dass ich meinen Lesern/-innen etwas „schuldig“ bin (an Bildern und Worten), dass ich sie „vernachlässigt“ habe und werde trotzdem das Gefühl nicht los, dass es wieder mal nur wenige Personen interessieren wird. Das ist nicht wirklich schlimm, denn ich weiß, dass kaum jemand die Zeit hat, sich solche Texte zu Gemüte zu führen. Und? Ich könnte noch länger und länger und ausführlicher schreiben. Immer wieder kommt die Frage nach dem Warum! Warum? Ich bin bis in meine Haarspitzen Humanist und der Mensch ist mir etwas wert.

In der antiken Stadt Delphi unterwegs

Also werde ich diesen Artikel mal so lassen wie er ist und einfach ein paar Bilder zu Griechenland einstellen. Denn es ist ja letztlich ein Blog auf einer Reise-Website. Damit vernachlässige ich zwar Spanien, aber was soll es denn? Ich habe bei meiner Geburt und damit bei meiner Ankunft auf diesem Planeten keinen Vertrag unterzeichnet, dass ich immer alles in chronologischer Abfolge tun muss. Dann lass ich es mal so wie es ist. So müssen die Leser/-innen damit eben machen, was sie gedenken, damit machen zu müssen. Ach ist das wieder eine komplizierte Sprache! Viel Spaß mit den Impressionen aus Griechenland! Roland Richter. Bad Nauheim, 13. November 2019

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