Nordkap 2019 – Die Suche nach der Balance

Nordkap 2019 – Die Suche nach der Balance

In diesem Blog möchte ich eine Ahnung davon vermitteln, warum das Reisen in Länder wie Norwegen zu wahrer innerer Zufriedenheit führen kann. Norwegen hat – ähnlich wie Schottland oder Irland – eine große Fangemeinde auf der ganzen Welt. Speziell die Deutschen sind „süchtig“ nach Norwegen, was sicher auch mit der jüngeren Geschichte zu tun hat? Der deutsche Kaiser Wilhelm II. liebte Norwegen, er war so oft er konnte dort.  Und er lockte als Vorbild die Deutschen schon zu seiner Zeit in Scharen dorthin. Hielt sich der Kaiser in den Fjorden auf, waren die Kreuzfahrten ausgebucht. Das hatte natürlich primär den Hintergrund, dass man sich als „Speichellecker“ dem Kaiser andienen wollte um für sich selbst Vorteile zu schaffen. Die großartige Natur drum herum wurde da wohl nur am Rande wahrgenommen? Auch die verheerende Zeit des zweiten Weltkrieges, als die deutsche Wehrmacht das kleine Norwegen in einem Blitzkrieg überfiel. Schon im März 1940 hatte Adolf Hitler das Unternehmen Weserübung beschlossen. Dies sah vor, dass die deutschen Truppen zunächst Dänemark besetzen sollten, um von dort aus nach Norwegen weiterzuziehen und Norwegen zu besetzen. Am 9. April begann das Unternehmen. Der Blitzkrieg gegen das viel schwächere Norwegen war in rund sechs Tagen abgeschlossen. Die ihren Dienst verrichtenden Soldaten hatten sicher andere Dinge zu tun, als sich von der sie umgebenden Natur beeindrucken zu lassen und trotzdem war der Anteil der Soldaten, die sich nach dem Krieg wünschten einmal mit ihren Lieben dorthin zu fahren signifikant höher als bei den Ländern der anderen Kriegsschauplätze. War man also so – mitten in einem fürchterlichen Krieg – der Suche nach der inneren Zufriedenheit näher gekommen?

Wir Deutschen sind mit vielen Dingen des Lebens unzufrieden! Dem Job, dem Partner, den Finanzen oder allgemein mit unserer Lebenssituation. Es ist gut, dass wir dann die Sehnsucht nach innerer Zufriedenheit haben. Denn sie ist der Antrieb dafür, dass wir uns bewegen und etwas verändern. Dabei gibt es zwei Lösungsansätze, um eine gewisse Zufriedenheit zu erreichen: es wäre zum einen möglich, dass wir erst mit uns selbst verbunden sind, bevor wir im Außenbereich nach einer Lösung suchen. Oder wir können uns offenen Sinnes aufmachen um uns durch unsere Welt beeindrucken und wieder zurecht rücken lassen. Warum kann also eine Reise durch Norwegen für die innere Zufriedenheit so wichtig werden? Innere Zufriedenheit ist immer aktuell und immer ein großes Thema bei jedem Menschen. Zufriedenheit kann wie durch Zauberhand aus unseren Inneren kommen. Im Prinzip sollte man auch dann noch zufrieden sein können, wenn man den ganzen Tag ganz allein in seiner Wohnung sitzt und nichts tut außer (z.B.) zu meditieren. Man zieht seine Zufriedenheit aber nur zum Teil aus dem Inneren und zum anderen Teil aus den äußeren Umständen, zumindest so lange, bis man seinen ganz eigenen Weg gefunden hat.

Die Unzufriedenheit entsteht, wenn man sich selbst noch nicht gefunden hat. So dient die Unzufriedenheit dazu, dass wir uns bewegen, um uns selbst zu finden. Die Optionen, die uns von der Gesellschaft angeboten werden, sind zum weitaus größeren Teil wenig  erfolgversprechend, aber zumindest die Variante des „Reisens“ ist dabei. Der Rest, wie  Konsum, Leistung, Karriere, Status-Erhöhung und so weiter führen in der Regel in die falsche Richtung. Bei einer Reise durch (zum Beispiel) Norwegen werden die, die offen sind schnell realisieren, dass der Weg der Betrachtung über die Sinneseindrücke von außen nach innen führt. Wer seine Gedanken beobachtet und seine Gefühle erfühlt realisiert schnell, dass man sich – unterwegs in einem Land das uns an das Paradies erinnern kann (ja, kann, wenn es dort regnet und alles grau in grau ist, werden Anfänger/-innen keine Zufriedenheit daraus beziehen) und sich mit sich verbinden kann. Der großartigste Nebeneffekt, den einem das Reisen mit offenen Sinnen bieten kann.

Landschaftserlebnisse sind ohne Erinnerung nicht möglich. Wir halten in der Erinnerung fest, was uns bei den Aufenthalten in der Landschaft besonders beeindruckt hat. Wenn immer wir mit neuen Erlebnissen konfrontiert werden, vergleichen wir unwillkürlich die aktuellen Landschaftswahrnehmungen und -gefühle mit den im Gedächtnis gespeicherten Erinnerungen. Ob uns die aktuell erlebte Landschaft dann positiv oder negativ im Gedächtnis bleibt, hängt wesentlich auch vom Ergebnis dieses Vergleichs ab. Eine wichtige Funktion der Erinnerung besteht doch darin, die Gegenwart durch Vergleich mit der Vergangenheit, dem bisher Erlebten, besser zu verstehen. Und auch wenn ich meine Präferenzen bisher eher in anderen Ländern sah, habe ich stets zugegeben, dass dieser Norden und damit speziell dieses an Naturschätzen reich gesegnete Norwegen, noch etwas schöner, eindrucksvoller sei. In diesem Jahr war ich besonders überrascht, dass der Vergleich mit meinen anderen Landschaftserlebnissen zu einem deutlicheren Punktgewinn für Norwegen führte als je zuvor.

Woran das lag versuchte ich noch während der Reise zu ergründen. Zum einen leben wir in einer Zeit, in der die Zerbrechlichkeit und Schönheit unserer Welt immer stärker betont, in politischen Debatten in die Öffentlichkeit gebracht und von jungen Menschen (Fridays for Future Bewegung) auf die Straßen getragen wird. Der Gedanke, dass wir gerade die nördliche Welt zerstören und unwiederbringlichen Schaden anrichten, schärft sicher den Blick. Bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger. Und bei mir persönlich? Ich werde älter und kann bereits sehr konkret empfinden, dass das Reisen (zum Beispiel zum Nordkap mit täglichen Hotelwechseln und vielen Tausend Kilometern) anstrengender wird. Irgendwann wird es dann wohl zu anstrengend werden? Im Prinzip ist die Erkenntnis, dass ein solch schönes Land, mit permanent überwältigenden Szenerien uns daran erinnert, wie unser aller Leben aussehen könnte. Die Tatsache, dass in Norwegen eine erträgliche Anzahl von Menschen lebt (2019 knapp 5,3 Millionen Menschen), die gute und gesunde Luft, das klare Wasser in Bächen, Flüssen und Seen, das fischreiche Meer drum herum.

Sicher machen auch die Norweger/-innen nicht alles richtig, aber sie begehen viele Fehler nicht, die in den volkreichen Nationen gemacht werden. Am Ende ist es wohl eine Mischung aus all diesen Empfindungen die mich dazu verführt hat, auch nächstes Jahr eine Reise zum Nordkap anzubieten. Irgendwann wird es nicht mehr gehen, aber solange es geht, möchte ich meine Arbeitskraft, meine philosophischen Denkansätze und meine seit 1984 angewachsene Erfahrung denen zur Verfügung stellen, die es wagen wollen, eine außergewöhnliche Reise zu Europas nördlichstem Punkt zu unternehmen. Es lohnt sich, denn Norwegen erinnert uns an das „verlorene Paradies“. Das Reisen dorthin ist nicht günstig, aber im Vergleich zu Expeditionen in noch weiter nördlich gelegene Regionen zumindest für eine breite Bevölkerungsschicht bezahlbar. Bei der Suche nach der inneren Zufriedenheit & Balance kommen wir durch die Einflüsse von außen bei einer Rundreise durch dieses Land ein Stückchen weiter. Das ist zumindest meine Überzeugung!

Es grüßt,

Roland Richter

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