Kurzbericht Irland-Reise vom 01. – 07. Mai 2019

Kurzbericht Irland-Reise vom 01. – 07. Mai 2019

Dass der Artikel auf vielfachen Wunsch einer einzelnen Dame entstanden ist, wollen wir an dieser Stelle einfach einmal verschweigen. Eigentlich sind solche Kurzreisen nicht meine Kragenweite, aber die Zahl derer, die etwas mehr Geld für ausführliche Reisen auszugeben bereit sind, sinkt in Zeiten von TrendTours, Aldi & Lidl-Reisen kontinuierlich. Wenn man dagegen etwas ausrichten will, hilft nur kompromisslose Qualität. Aber: wird diese denn als solche überhaupt noch wahrgenommen? Von einigen Wenigen sicher, aber was ist mit dem weitaus größeren Rest der Gesellschaft? Die ewige Jagd nach dem ultimativen Schnäppchen schaltet wesentliche Funktionen unserer rationalen Denkfähigkeit aus. Aber was passiert eigentlich in unseren Gehirnen, wenn wir ein Schnäppchen sehen?

Der gesamtgesellschaftliche Konsens – egal ob man durch wenig Mittel dazu quasi gezwungen wird oder nicht – geht bereits vollständig in die Richtung, ständig nach Sonderangeboten oder Rabattaktionen Ausschau zu halten. Hellwach achten immer mehr Menschen darauf, ein paar Euro-Cent zu sparen! Kaufe drei zum Preis von zwei! Wer heute einkaufen geht – egal ob Nahrungsmittel, Elektronik oder Kleidung – kommt an Schnäppchen nicht vorbei. Die Läden überbieten sich genauso wie Reise-Anbieter mit ihren Aktionen und der Erfolg gibt ihnen Recht. Übertroffen wird die Rabatt-Bieterei seit einigen Jahren noch durch das Internet. Auch hier stoßen Kunden auf Schnäppchen, finden sich in ihrem Bann wieder und kommen kaum daran vorbei, das Produkt zu kaufen. Aber warum ist das so? Weshalb horchen wir automatisch auf, wenn wir einer Rabattaktion begegnen, und greifen oft zu, obwohl wir eigentlich etwas ganz anderes kaufen wollen, bzw. bereit gewesen wären, etwas mehr auszugeben und dadurch sozial verträglich zu handeln? Ich weiß nicht ob ich genug Zeit finden werde, die Vorgänge zu beschreiben, die während des „Billich-Willich-Suchens“ in unseren Köpfen abspielen.

Ich denke dass Problem an der Sache liegt darin, dass unsere Wahrnehmung uns suggeriert, dass wir uns selbst belohnen, wenn wir etwas günstig bekommen! Das menschliche Gehirn reagiert im Belohnungszentrum auf den Anblick eines Schnäppchens. Es wird aktiviert, das Gehirn schüttet Glückshormone aus und wir fühlen uns, als hätten wir etwas Tolles entdeckt und erreicht. Dabei macht es keinen Unterschied, um welches Schnäppchen es sich handelt oder ob der Rabatt tatsächlich zu einem Schnäppchen führt. Auch, dass viele Angebote zu ungeplanten Käufen führen, lässt sich erklären: Das menschliche Gehirn reagiert schlichtweg auf die Information, dass ein Produkt günstiger erhältlich ist, und befiehlt uns, zuzugreifen. Wer nun nicht den inneren Schweinehund überwinden und die Hände vom Schnäppchen lassen kann, kauft. Man freut sich danach, das noch Geld für das nächste Schnäppchen übrig geblieben ist.

Ein Grund ist natürlich, dass Schnäppchen vielen Menschen in den sozial schlechter gestellten Schichten durchaus helfen können, Geld zu sparen. Wer ist nicht froh, wenn er Produkte aller Art günstiger erhält? Shampoo, Duschgel, Lebensmittel, Elektrogeräte oder auch Tierbedarf, Kleidung oder am Ende auch Reisen – wer weniger als den Normalpreis zahlt, fühlt sich ausgezeichnet. Hier setzt wieder das Belohnungssystem des Gehirns ein. Es schüttet Glückshormone aus, ganz so, als hätte der Kunde im Glücksspiel gewonnen. Die Beliebtheit lässt sich bestimmt auch mit der menschlichen Entwicklung erklären. Der Begriff Schnäppchenjagd impliziert es schon. Als Jäger und Sammler freuten sich unsere Vorfahren, wenn sie auf der Jagd eine besonders große und nahrhafte Beute gemacht haben. Heute fehlt uns diese Erfahrung, also leiten wir die Instinkte in andere Bereiche um: die Schnäppchenjagd. Anstatt mit Pfeil, Bogen und Speer durch die Wälder zu streifen, suchen wir uns unsere heutige Jagdbeute im Geschäft oder im Onlinehandel. Davon profitieren die Verführer – und die gibt es zuhauf, auch in den Branchen, in denen ich arbeite – speziell im Reisesektor.

Und? War denn nun diese gerade zu Ende gegangene Reise eine „Schnäppchen-Tour“? Nein, dem muss ich absolut widersprechen. Dieselbe Tour hätte man bei den namhaften Billig-Anbietern auch für rund 150.- € günstiger bekommen. Aber es gibt zum Glück noch ein paar Menschen, die entweder alte Präferenzen für ein Reise-Unternehmen haben und sich deshalb nicht durch Billig-Willich und Geiz ist Geil Gefühle verleiten lassen, das Reisen in eine Art wertloses Konsumgut zu verwandeln, oder sie setzen bewusst Akzente, gerade um dem alles hinweg flutenden Billig-Strom wenigstens einen Lufthauch entgegen zu setzen. Da ich als Studien-Reiseleiter mit meinem Know-How sicher von den meisten Teilnehmern/-innen auf dieser Reise nicht erwartet wurde, war der Erfolg beachtlich. Auch wenn wir uns leicht in der Unterzahl fühlten, als wir in einem Hotel in Tralee mit unseren 18 Teilnehmern/-innen in einem Hotel einquartiert wurden, in welchem sich ebenfalls sechs komplett volle Busse (ca. 250 Gäste) eines solchen Billig-Anbieters befanden.

Unter meinen Reise-Teilnehmern/-innen befanden sich auch einige, die sicher nicht über die Mittel verfügen, zwei- oder dreitausend Euro in eine Rundreise zu investieren. Für so manchen war die hier investierte Summe bereits das maximal machbare. Qualität ist uns nicht nur beim Kauf von Produkten wichtig. In fast allem, was wir tun, spielt das Streben nach herausragender Güte eine Rolle. Warum ist das so? Was macht Qualität aus? Wer achtet denn noch auf Qualität? Vielleicht bei gutem Essen, einem fein destillierten Whisky oder beim Matratzenkauf? Manche gar beim Reisen? Qualität ist ein Versprechen, eine Auszeichnung für Wertigkeit und Verlässlichkeit. Das versuche ich mit meinen Reisen umzusetzen. Über schlechte Qualität kann man sich richtig ärgern, und trotzdem kaufen viele haufenweise billiges Zeug, das nach kurzem Gebrauch als Plastikmüll im Meer treibt. Gleichzeitig erleben hochwertige Produkte derzeit wieder einen Aufschwung. Allerdings – so befürchte ich zumindest – in vielen Fällen nicht als echtes JA zur Qualität, sondern zur Zweckentfremdung als Statussymbol. So wird der innere Wert des Reisens von beiden Seiten angegriffen: von unten durch die Billigheimer, von oben durch die, die aufgrund ihrer Vermögen Standesdünkel haben und sich über eine extreme Preispolitik von den anderen absetzen wollen.

Nach einer Reise zurück gekommen, sind übrigens beide Gruppen nicht „gereist“! Sie waren maximal unterwegs und es spielte dabei dann im Prinzip keine Rolle wo sie waren – sie waren weg und können nun einen Haken hinter das Erlebte machen. Punkt!

Die Irland-Kurzreise war schön, von fast durchgängig bestem vorstellbaren Wetter gesegnet. Dennoch wäre ich als Verantwortlicher Reiseleiter glücklich, wenn die Tour zwei Tage länger dauern würde. Aber das würde auch bedeuten: zwei Tage teurer! Und ob dann noch genügend Teilnehmer/-innen zusammen kommen um die Reise durchzuführen, bleibt fraglich. Schön war es, dass die Anreise lediglich bis Rotterdam bewältigt werden musste. Das sind von Frankfurt aus gerade mal etwas mehr als 500 Kilometer. Locker zu bewältigen. Die Schiffe der P&O Ferries (wir hatten bei beiden Überfahrten die „Pride of Hull“) sind trotz ihres Alters sehr gepflegt und die Außenkabinen recht großzügig was den Platz anbelangt. Die gebuchte Fähre am zweiten Tag der Reise (zwischen Holyhead und Dublin) haben wir aufgrund eines LKW Unfalls bei Leeds (ein Transporter mit gefrorenen Hähnchenteilen hatte sich seiner Ladung durch umkippen entledigt und dafür gesorgt, dass die Autobahn volle zwei Stunden gesperrt wurde) nicht mehr erreichen können und haben zum Glück die später ablegende Schnellfähre als Ersatz bekommen.

Dublin war leerer als sonst (wo waren die vielen Billig-Anbieter?) und der Rock of Cashel ist ja sowieso etwas ganz Besonderes. Der Ring of Kerry, die höchsten Berge Irlands, Killarney und Tralee erlebten wir im Best-Wetter. Auch der nächste Tag war komplett von der Sonne geflutet, so dass nach der Shannon Überquerung die touristischen Massen an den Cliffs of Moher nicht wirklich stören konnten. Der Burren war dieses Mal besonders gut – ganz allein haben wir eine Stunde lang in diverse „Ritzen“ gespäht um ein Edelweiß, eine Orchidee oder ein Gewächs vom Mittelmeer zu finden. Alles lief glatt, auch die Rückreise nach Dublin.

Geregnet hat es erst wieder in „Bloody old England“ (vom Brexit wie üblich nix zu spüren) – dann aber richtig! Bei Leeds fing es an und bei dem Treffpunkt der M62 und der M1 hat es uns mit Hagel, Schnee-Regen und Orkanböen fast von der Bahn gewutscht. Aber da ich ja hier schreibe, müssen wir das Drama überlebt haben.

Ich höre jetzt auf zu schreiben. Die Finger sind wund getippt. Fahrt selber mal mit und stellt fest, dass es große Unterschiede bei den Reiseangeboten gibt und dass man einen versierten Studien-Reiseleiter, der ein umfangreiches Bild von Land und Leuten vermittelt nicht nur bei den recht kostspieligen Spezialanbietern gibt. Aber: das müssen die Menschen erst einmal bemerken!

Ein paar Impressionen.

Euer/Ihr Roland Richter

1 Comment
  • Dagmar Ulsamer
    Posted at 10:48h, 30 März Antworten

    ….da zurzeit viel Zeit…..und ich im Worldwideweb flaniere…..fand ich gerade Deine Site hier lieber Roland!
    Bei der beschriebenen Irlandreise war auch ich dabei und die gesamte Reise war wirklich toll!
    Früher reiste ich auch mit z.B. Studiosus, Dr. Tigges und anderen Reisefirmen durch die Welt, aber ehrlich gesagt und aus vollem Herzen
    : Niemals vorher traf ich einen so kompetenten Reiseleiter wie den Roland Richter!

    Er weiß sehr umfassend und tiefgründig über das Land zu berichten, umsorgt seine Gruppe von früh bis spät und schafft eine Atmosphäre
    die zunächst Fremde zusammenschweißt und alle sich sehr wohl fühlen im Bus, in den Unterkünften und auf der gesamten Reise.

    Also was mich angeht, werde ich sicher wieder mit Dr.Richter Reisen und damit mit Roland Richter reisen!
    Die neue Schottlandreise im Juni 2020 ist schon gewählt und ich angemeldet!

    Noch hoffen wir dass wir bis dann wieder reisen können, also dürfen und die Coronakrise gemeistert sein wird!
    Sehr gerne werbe ich hier für weitere Mitreisende – eine Fahrt mit Roland Richter ist unvergesslich – ihr werdet es alle selbst erleben können – wenn ihr nur wollt!

    Lasst euch das Reiseerlebnis – auf welcher angebotenen Reise auch immer – nicht nehmen, es klingt lange im Herzen weiter und dieses Herz-Kopf-Kino behält man ein Leben lang.
    Liebe Grüße
    Dagmar Ulsamer

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