Schottland Klassik 2019 – Teil 02

Schottland Klassik 2019 – Teil 02

In unseren Zeiten des „höher, schneller, weiter” sehnen sich viele nach einem Stückchen der „guten alten Zeit”. Sicher, früher war definitiv nicht alles besser aber doch um einiges langsamer und mehr im Einklang mit der Natur, mit mehr Raum für Intensität. Der heutige Alltag ist geprägt von Schnelllebigkeit, Informationsüberfluss und ständiger Erreichbarkeit. Es tut unglaublich gut, bewusst einmal ein paar Schritte langsamer zu gehen, im Hier und Jetzt innezuhalten und die Verbindung zu Natur und Tradition zu suchen und dabei ein Land kennenzulernen, das einzigartig ist. Einen gewissen „Informationsüberfluss“ könnte es bei dieser Reise (gefühlt) für den einen oder anderen durchaus geben, was allerdings immer der persönlichen Disposition geschuldet wäre.

Wie oft hört oder liest man, Geschichte sei langweilig. Niemand will gerne Fakten oder Zahlen pauken, die doch mit dem eigenen pulsierendem Leben nichts zu tun haben? Was bringt uns Geschichte? Es kommt immer darauf an, wie man es in den Wald hinein ruft. Es ist ein Merkmal aller Kulturen, dass sie sich mit ihrer eigenen Vergangenheit beschäftigen. Offensichtlich bedarf der Mensch einer Geschichte, weil er selbst eine hat. Die jungen Menschen, die mir in der Ausübung meines Berufes als Studien-Reiseleiter begegnet sind, die sich noch nicht sicher waren, wohin sie ihre Lebensreise führen wird, haben meine Denkansätze gerne aufgenommen um aus ihnen zu lernen, wie Kulturen zustande gekommen sind. Kurt Tucholsky hat einmal gesagt: „Wer die Enge seiner Heimat begreifen will, der reise. Wer die Enge seiner Zeit ermessen will, studiere Geschichte.“ Dass man aus Geschichte lernen kann, ist wohl unumstritten. Das man sie bei einer gemischten Gruppe auch unterhaltsam vermitteln sollte, ist mein persönlicher Ansatz. Daher kann es sehr spannend sein, in der Geschichte zu forschen und Sachkenntnisse herauszufinden!

Und noch dazu dieses unglaubliche Land mit seinen schnell wechselnden Szenerien! Schottland eben.

Das die Reise teurer wurde als in den letzten Jahren liegt schlicht und ergreifend an zwei Dingen: Edinburgh ist eine „Hype-Destination“ geworden, die Preise für die Hotels dort stiegen in den letzten Jahren überproportional. Bei den letzten Touren waren wir – um den Reise-Kunden finanziell die gestiegenen Kosten nicht weitergeben zu müssen – in guten Hotels untergebracht, die zum Teil bis zu 14 Kilometer außerhalb der Stadt lagen. Das war für mich sehr unbefriedigend und bei meiner „Farewell-Reise“ wollte ich noch einmal das für mich beste Hotel der Innenstadt mit meiner Gruppe bewohnen. Diese beiden Nächte allein bedeuteten eine Preis-Steigerung von 180.- € im Vergleich zum Basis-Arrangement, welches wieder eine Übernachtung in einem 4**** Hotel am Stadtrand enthielt.

Bei der „Schottland-Klassik 2017“ waren wir zwar zentral untergebracht (in einem Haus direkt an der Princess Street), aber die Lage dieses Haus war suboptimal, da die Zimmer entweder zur sehr lauten Princess Street hin lagen, oder sehr unschön den Blick auf einen nicht gerade gepflegten Innenhof frei gaben. Deshalb traf ich die Entscheidung, das 4**** Sterne Hotel unmittelbar am Grassmarket zu wählen. Es wird sich in der Reise-Rückbetrachtung eines jeden Reisegastes auszahlen.

Leider zahlen Reisegruppen aus Übersee (speziell aus den USA und Asien) Mondpreise um im Zentrum Edinburghs übernachten zu können. Wenn wir die „süßen Früchte“ ebenfalls haben wollen, müssen wir dafür bezahlen. Das alte Spiel von Angebot und Nachfrage!

Der zweite Grund: Das Military Tattoo verändert nicht nur den preislichen Charakter der schottischen Hauptstadt! Die Preise in ganz Schottland ziehen dann an, weil viele der Besucher nach der Tattoo-Visite auch noch den Rest des Landes besuchen. Unsere Reise führt uns zwar nicht zum Zeitpunkt des Tattoo nach Edinburgh, aber die erdbebenartigen preislichen Verwerfungen sind in ganz Schottland zu spüren. Auch der Druck auf die Situation der Hotels nimmt zu. Wer aber noch ein bisschen von der Heideblüte in den ausgedehnten Hochlandgebieten Schottland mitnehmen möchte, muss in dieser Zeit das Land besuchen.

Wir werden unsere letzte „Schottland Klassik“ aus den beschriebenen Gründen im Uhrzeigersinn fahren. Das bedeutet, dass wir nach der Ankunft in Kingston upon Hull auf einer ungewöhnlichen Route in den Großraum Glasgow fahren werden. Auch die Hotelpreise in Glasgow / Zentrum erhöhen sich zur Zeit des Military Tattoo teilweise um das dreifache. Und: am Anfang unserer Tour läuft das Tattoo-Festival noch! Das bedeutet auch, dass wir viel früher als sonst üblich in die landschaftlich beeindruckendsten Regionen Schottlands kommen. Nach einer Doppelübernachtung in Bellshill fahren wir via Loch Lomond an die Westküste, die zu den schönsten Landschaften Europas (ich meine stolz: der Welt) gehört. Und dann geht es via der Insel Skye und Ullapool nach Norden und letztlich an die kaum besuchte Nordküste. Nur 1% aller Schottland-Reisenden verirrt sich hierher.

Die Orkney-Inseln sind Pflichtprogramm und der Tagesausflug dorthin wird von der Reiserichtung „im Uhrzeigersinn“ nicht tangiert. Dann, nach der zweiten Übernachtung in Thurso, geht es an der Ostküste zurück via Inverness und die Grampian Mountains nach Edinburgh, wo wir erneut eine Doppelübernachtung haben werden.

Neugier lohnt sich doch! Als Kinder erkunden wir wie selbstverständlich die Welt. Als Erwachsene haben wir allerdings viel von unserer Lust auf Neues ­verloren. Eine Reise nach Schottland kann zu einem der Gründe werden, seinen Forscherdrang zu bewahren oder – falls er verloren gegangen sein sollte – wieder zu entdecken. Seit wir die Reisekatalog 2019 verschickt haben gab es sehr viele Fragen – gerade zu dieser Reise. Einen Teil davon wollte ich in schriftlicher Form beantworten!

Herzlichst,

Ihr Roland Richter

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