Irland extrem 2019

Irland extrem 2019

Nachhaltig – qualitativ hochwertig – und preislich sozialverträglich oder auf der Jagd nach dem Schnäppchen?

Wer nicht über sein Konsumverhalten nachdenkt, der trägt seinen/ihren Teil dazu bei, dass sich die Schraube der Verflachung immer schneller dreht. Das gilt für jeden Lebensbereich, für den Lebensmittel-Konsum wie auch für das „Reisen“. Und das ist in den letzten 35 Jahren auf unterschiedlichen Ebenen meine wichtigste Aufgabe gewesen. Auf unterschiedlichen Ebenen habe ich die Entwicklungen im Reise-Sektor miterlebt, betrachtet und ausgewertet.

Irland „extrem“ 2019? Ist das nicht auch schon wieder ein unnötiger Superlativ? Vielleicht – das kann man so oder so deuten. Aber vielleicht ist es auch einfach so, dass ich ein Gegengewicht andeuten will? Überall redet man vom Wachstum, welches uns verspricht, dass unsere Kinder alle einen Luxuswagen fahren werden, in 30 Zimmer Häusern leben und 120 Jahre alt werden können (bei guter Gesundheit) wenn nur alles weiter wächst, wächst, wächst! Aber: warum suchen immer größere Bevölkerungsschichten immer intensiver nach dem „Schnäppchen“!

Neulich habe ich mal wieder etwas Geld für die Auskunft aus einer Wirtschaftsdatei ausgegeben, um die öffentliche Bilanz eines „Billig-Reise-Konzerns“ einzusehen! Die ausgewiesenen Gewinne und die Rücklagen waren höchst bedenklich! Kann es sein, dass ein weltweit operierendes Unternehmen eine Gewinnspanne von lediglich 100.000.- € für den „Konzern“ ausweist bei einer gleichzeitig ausgewiesenen Rücklage von 250.000.- €. Dass es sich bei der beschriebenen Firma um eine Kapitalgesellschaft handelt (KG) dürfte klar sein! Natürlich berücksichtige ich die geringer werdenden Grundeinkommen und den täglichen Kampf ums wirtschaftliche Überleben der Familien und mahne trotzdem zur Nachdenklichkeit, wenn es um das billige Reisen geht. Ich bin also nicht prinzipiell dagegen, dass die Leute günstig reisen, selbst wenn Sie es nicht müssen, mahne aber zur Vorsicht.

Irland ist seit einigen Jahren ins Zentrum der Günstig-Veranstalter gerückt. Die Grüne Insel leidet in manchen Regionen deshalb – was sich in der touristischen Infrastruktur ausdrückt. Fast 60 Hotels wurden dort in „Voll-Charter“ genommen, was konkret bedeutet, dass viele der oft in Familienbesitz befindlichen Hotels unter der Last des immer weiter reduzierten Einkaufspreises leiden. Es fehlt das Geld für Renovierungen und ich habe beobachten können, dass dort eine gewisser Zustand der wirtschaftlichen Not ausgebrochen ist. Die kleineren Reise-Unternehmen, die für einen höheren Preis die Räume in diesen schlechter werdenden Hotels anmieten, werden „auf Druck“ in die schlechteren Zimmer einquartiert, so dass auch die Kunden dieser „kleineren Unternehmen“ sich immer häufiger Fragen, warum sie denn mehr Geld ausgeben um dann in den schlechteren Zimmern wohnen zu müssen! Dem kann man nur mit Offenheit begegnen. Bei der anstehenden „Irland-extrem“ Reise haben wir solche Hotels umgangen und sind prinzipiell auf Häuser umgestiegen, die noch nicht so stark in den Focus der „Günstig-Reise-Industrie“ geraten sind. Auch das hat seinen Preis!

Doch warum „Irland-extrem“? 2011 und 2017 haben wir mit jeweils etwa 20 Personen eine hochspezielle Reise zu den Shetland- und Orkneyinseln gemacht. Aus diesen Gruppen hat sich eine Art „Reisefreundeskreis“ heraus kristallisiert. Und genau diese Gruppen forderten mich auf, so eine großartige und einzigartige Tour wie die zu den nördlichen schottischen Inseln doch einmal in einem anderen Land zu wiederholen. Wir entschieden uns damals für „Irland“ und ich setzte mich seit Ende 2017 immer wieder mal daran, diese hochspezielle Exkursion Wirklichkeit werden zu lassen. Sicherlich habe ich im Laufe der letzten Monate mehr als 100 Stunden Arbeit in die Vorbereitung dieser Reise gesteckt. „Extrem“ deshalb, weil ich die Grüne Insel Irland fast genauso gut kenne, wie meine zweite Heimat Schottland und ich die „schönsten“ und „exotischsten“ Ecken der Grünen Insel in einer „extrem-ungewöhnlichen-Tour“ miteinander verbunden habe. Individualität & Kreativität haben nun mal ihren Preis! Aber: die enthaltenen Leistungen sind unvergleichlich, die besuchten Ecken von besonderer Exklusivität, alle zusätzlichen entstehenden Kosten bereits inkludiert.

In Dublin haben wir wegen der spürbaren Hotel-Knappheit dazu entschieden, unsere Gruppe im Hilton Hotel direkt im Herzen der Stadt einzuquartieren. Sündhaft teuer – aber wenigstens zentral und dem Anspruch unserer Gruppen gerecht werdend. Die Reise kann auch mit Sicherheit durchgeführt werden. Aber es bleibt die Hoffnung, dass es noch ein paar Menschen (reisewillige Menschen mit Anspruch an die „innere“ und „äußere“ Qualität einer Reise) mehr gibt, die nicht den ewigen Verlockungen des Billichwillich verfallen, sondern bewusst und nachhaltig auf Tiefe und Inhalt setzen. Das wird immer schwerer zu vermitteln.

Menschen reisen, um sich in Erinnerung zu rufen, dass sie nicht alles wissen und dass die Welt größer, geheimnisvoller und aufregender ist, als es scheinen mag, wenn man den ganzen Tag zu Hause sitzt. Das Reisen ist eine ständige Erinnerung an all die Dinge auf der Welt, über die wir staunen, denn im täglichen Leben vergessen wir schlicht, dass das Leben staunenswert ist!

Wenn wir von Menschenrechten und Tourismus sprechen, sind normalerweise die Lebensumstände in den Ländern gemeint, in die gereist wird. Ob die Hotelangestellten menschenwürdig behandelt und bezahlt werden, ob Frauen unterdrückt werden, es Kinderprostitution gibt. Ob vom Geld der Pauschalurlauber auch etwas im Gastland bleibt. Das ist aber längst nicht alles. Damit die genannten Aspekte überhaupt zum Tragen kommen können, muss eine andere Voraussetzung erfüllt sein, muss es Menschen erst einmal ermöglicht werden, überhaupt eine Reise ins Ausland zu unternehmen. Es muss ihnen politisch erlaubt und wirtschaftlich möglich sein. Das Reiserecht besitzt deshalb für mich den Stellenwert eines Menschenrechts. Mit so viel gefühltem Pathos möchte ich natürlich immer das Optimum für die heraus holen, die sich meiner Organisation anvertrauen. Mit Irland „extrem“ 2019 werde ich diesem Anspruch an mich selbst zu 100% gerecht werden.

Roland Richter

Bad Nauheim, 12.11.2018

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